Auswertung 1. Mai

Nachdem wir uns von einem langen 1.Mai in Dortmund mit vielen Demonstrationen, Durchbruchsversuchen auf die Nazidemo und Blockaden wieder erholt haben ist es Zeit für eine kleine Auswertung.

Vorweg: Die Nazis konnten marschieren und das Hauptziel wurde somit nicht erreicht. Dennoch ist es ein großer Erfolg das es mit BlockaDo nun ein gemeinsames handlungsfähige Blockade-Bündnis in Dortmund gibt. Es hat zahlreiche Durchbruchsversuche gegeben von denen einige auch Erfolg hatten und die anderen nur deshalb nicht weil die Polizei die Verhältnismässigkeit grob missachtet hat.

Für uns persönlich waren die Blockadeversuche in Dortmund ein großer Erfolg. Im Gegensatz zu den letzten Jahren war es, trotz unvermindertem Polizeiaufgebot, möglich an die Route der Nazis zu gelangen. Das lag vor allem an dem teils offenen ländlichen Gelände aber auch an der guten Koordination von BlockaDo.
An unserer gemeinsamen Anreise aus dem Westen nahmen etwa 250 Antifaschist*innen Teil. Nach einer kleinen Ralley durch Hecken und Felder gelang ein Durchbruch bei dem eine Blockade auf der Naziroute mit 75 Personen gebildet werden konnte. Diese hatte den ganzen Tag bestand konnte aber leider von der Polizei soweit an den Rand gedrängt werden das die Nazis später passieren konnten.
Eine weitere BlockaDo-Blockade mit rund 300 Menschen im S Bhf Westerfilde sorgte dafür das die Anreise der Nazis sich um etwa drei Stunden verzögert hat.

Das es nun endlich ein gemeinsames Blockade Bündnis der verschiedenen antifaschistischen Strömungen in Dortmund gab und das dieses gut arbeiten konnte und sich nicht wieder zerstritten hat ist wohl der größte Erfolg. Es bleibt zu hoffen das alle Beteiligten weiterhin einen Minimalkonsens finden um sich den Nazis gemeinsam in den Weg zustellen. BlockaDo plant bereits die Blockaden der nächsten großen Nazi-Demo in Dortmund die voraussichtlich um den Antikriegstag (Anfang September) liegen wird.

Das Verhalten der Polizei war jedoch sehr seltsam. Der weiche Kurs des Dortmunder Polizeipräsidenten Lange der geäußert hatte auch Blockaden könnten als Versammlung unter dem Schutz des Demonstrationsrechts stehen waren wenig zu spüren. Mit einem Großaufgebot war der ganze Großraum der Demonstration hermetisch abgeriegelt. Dabei war auch schweres Gerät (Räumpanzer Wasserwerfer) aufgestellt worden. Auch eine sehr aggressive Reiterstaffel sowie zahlreiche Polizeihunde waren im Einsatz. Die Polizisten setzten allen Mittel (Knüppel, Pfeffer, Pferde, Hunde) ein um friedliche Sitzblockierer*innen von der Strecke abzuhalten und kannten dabei keinerlei Verhältnismässigkeit was leider wieder einige Verletzte forderte. Bisher gibt es allerdings den Eindruck das es im Gegensatz dazu recht wenig Anzeigen gab.
Anders verhielt sich die Polizei gegenüber den Nazi. Von Phrasen wie das man die Nazis keinen Millimeter zuviel marschieren lassen wollte war Gestern nichts mehr zu spüren. Zur völligen Verwunderung aller wurde die Naziroute freiwillig von der Polizei mehrfach erweitert. Statt der angekündigten Route S Bhf Westerfilde – S Bhf Nette, wurde noch eine Runde durch die dortigen Wohngebiete angeboten, danach wurde der Abschluss zum S Bhf Mengede verlegt wodurch es nochmal die zusätzliche Route Nette – S Bhf Mengede gab. Als die Nazis schon kaum noch Lust hatten wurde ihren Anmeldern dennoch gestattet noch eine weitere spontane Route zurück durch Mengede zu laufen. Und das obwohl wieder die rassistische Parole Skandiert wurde die am Vorabend als so Volksverhetzend eingestuft wurde das die Nazi Vorabend-Kundgebung deshalb von der Polizei abgebrochen wurde.
Durch die Polizei konnten die Nazis also eine lange Strecke marschieren. Allerings bleibt die Verlegung aus der Innenstadt auf die Felder von Westerfilde und in die verschlafenen Wohngebiete für die Nazis ein entscheidendes Manko an der Route.

Mit ca.500 Personen auf der Nazi Demo ist den Nazis in ihrer Szene offenbar eine erfolgreiche Mobilisierung gelungen. Auch wenn sie mit ihren neuen 1.Mai Demos als Partei die Rechte bislang nicht an ihre mittlerweile verbotenen Aufmärsche zum Antikriegstag anschliessen können. Die Nazis werden die Zahl der Personen und das Durchführen einer langen Route als Erfolg werten trotz der unattraktive Route und die Stundenlangen Verzögerung. Eine völlige Blockade hätte das geändert.

Dennoch war es ein guter 1. Mai für Antifaschist*innen in Dortmund. Es war schön soviele Leute auf den Strassen zu treffen und die gemeinsamen Erlebnisse dürften den meißten insgesamt Lust auf mehr gemacht haben. Das war in Dortmund früher anders. Wir freuen uns auf die nächste Einladung von BlockaDo.

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